Goniometer

Goniometer

Was ist ein Goniometer und wie wird es korrekt angewendet?

1. Was ist ein Goniometer?

Bei einem Goniometer handelt es sich um einen Winkelmesser, der unter anderem in der Physiotherapie zum Alltag gehört. Mit diesem Hilfsmittel misst der Therapeut das Bewegungsausmaß von Gelenken und setzt die zur Kontrolle seiner Behandlung ein. Das Goniometer besteht aus zwei beweglichen Schenkeln und einer sich dazwischen befindenden Messscheibe, auf der der jeweilige Winkel abgelesen werden kann.

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2. Welche verschiedenen Modelle gibt es?

Das Material des Goniometers wird aus Kunststoff, Acryl oder Edelstahl hergestellt. Dabei ist es in unterschiedlichen Größen erhältlich. Es kommt immer darauf an, welche Stelle des Körpers ausgemessen wird.
Kleinere Modelle sind nur wenige Zentimeter lang, umfassen aber dennoch ein großes Winkelausmaß. Mit ihnen können sowohl die Überstreckung eines Gelenkes als auch dessen Beugung ermittelt werden. Verwendung finden sie zum Beispiel bei den Fingergelenken.
Mit einem Goniometer mit langen Schenkeln besteht wiederum die Möglichkeit das Ausmaß der Hüft- oder Schulterbewegungen optimal zu erfassen.
Viele Winkelmesser besitzen ein integriertes Lineal, das auf den Schenkeln aufgezeichnet ist. Damit lassen sich Längen, aber auch Abstände erfassen. Die Abstandsmessung ist beispielsweise bei der Therapie der Hand sinnvoll. Soll nach einer Verletzung der Faustschluss wieder funktionieren, kann anhand des Lineals überprüft werden, wie weit die Handinnenfläche und die Fingerkuppen noch voneinander entfernt sind.

3. Wann wird ein Goniometer angewendet?

Der Einsatz des Goniometers ist zu 3 Zeitpunkten der Therapie erforderlich:
- Vor Beginn der Therapie, um einen IST-Zustand festzulegen
- Während des Behandlungszeitraums für die Überprüfung der Fortschritte
- Für den Abschlussbefund nach Beendigung der Therapieeinheiten

Es wird dabei nicht bei allen Patienten angewendet, sondern vor allem bei denen, die eine Gelenkverletzung durch einen Unfall, nach einer Operation oder als Folge einer Erkrankung erlitten haben.

4. Wo kann ein Goniometer am Körper verwendet werden?

Dank der Winkelmessung können die Therapeuten grundsätzlich die Beweglichkeit aller Gelenk im menschlichen Körper dokumentieren. Dabei sollte die Messung jedoch nur dort ausgeführt werden, wo sie auch Sinn ergibt und einen aussagekräftigen Wert für den Therapieverlauf darstellt.
Hauptaugenmerk liegt hierbei auf der Bewegungsfreiheit der Extremitäten sowie der Wirbelsäule.

5. Ist der Gebrauch eines Goniometers tatsächlich erforderlich?

Ein Goniometer ist ein wichtiges Werkzeug des Physiotherapeuten, da es sowohl ihm als auch seinem Patienten hilfreiche Informationen liefert.

Die positive Auswirkungen für den Therapeuten
Bevor er mit der Winkelmessung beginnt, muss er wissen, welche Werte als normal eingestuft werden. Nur so kann er die Ergebnisse richtig einordnen. Anschließend bietet die Erfassung der Winkelgrade folgende Vorteile:

- Dokumentation des IST-Zustands für den späteren Vergleich mit dem Endzustand
- Anhaltspunkt zur Erstellung des Behandlungsplans
- Einfacher Überblick über die Fortschritte und somit Effektivität der therapeutischen Maßnahmen
- Eine (erfolgreiche) Behandlung kann somit schriftlich, zum Beispiel vor dem Arzt, gerechtfertigt werden
- Zeigt auch Fehlentwicklungen auf, woraufhin die Methoden angepasst werden können
- Vermittlung eines positiven Eindrucks für den Patienten durch gewissenhafte Dokumentation

Der Nutzen für den Patienten
Anhand der Zahlen wird auch dem Patienten deutlich, wie gewinnbringend seine Therapie verläuft. Dies macht ihn zufrieden und steigert zusätzlich seine Motivation dafür, die ihm aufgetragenen Übungen weiterhin gewissenhaft durchzuführen.

6. Wie funktioniert ein Goniometer?

Anforderungen an den Patienten
Die zu behandelnde Person muss zunächst die sogenannte Neutralnullstellung einnehmen. Dafür steht sie aufrecht, die Füße sind hüftbreit voneinander entfernt. Die Zehen zeigen nach vorne. Ihre Arme hängen seitlich am Körper hinab, wobei sich die Handinnenflächen parallel zum seitlichen Oberschenkel befinden. Das Gesicht zeigt ebenfalls nach vorne.
Die Neutralnullstellung kann auch in der Seiten-, Rücken- oder Bauchlage eingenommen werden, wenn sich diese Positionen für eine Messung besser eignen.
Für ein genaueres Ergebnis sollte der Test ohne Kleidung an der betroffenen Stelle erfolgen, damit es nicht zu Verfälschungen aufgrund von Verrutschen des Stoffes oder ähnlichem kommt.

Die Anlage des Winkelmessers
Das Goniometer muss so auf die Haut aufgelegt werden, dass sich dessen Drehpunkt dort befindet, wo auch die tatsächliche Drehung im Gelenk stattfindet. Angenommen die Beweglichkeit des Kniegelenks wird getestet, muss hier der äußere Gelenkspalt genaustens palpiert werden, um eine korrekte Anlage zu garantieren.
Die Arme des Winkelmessers sind so ausgerichtet, dass sie parallel zu der Knochenlängsachse verlaufen – ein Schenkel somit an der Außenseite entlang des Oberschenkels, der andere am Unterschenkel.
Es sollte sich für den Verlauf des Winkelmessers zusätzlich an Fixpunkten orientiert werden. In diesem Beispiel sind das der Außenknöchel für den distalen Schenkel, sowie der Knochenvorsprung am oberen seitlichen Oberschenkel (Trochanter Major).
Alle wichtigen Punkte können mit einem Stift markiert werden. Dies stellt sicher, dass selbst nach einem Abrutschen des Winkelmessers erneut die richtige Ausgangsstellung gefunden wird. Schließlich entscheidet die Anlage über die letztendliche Genauigkeit der Messung.


Die Durchführung anhand der Beugung des Kniegelenks
1. Der Patient befindet sich in Neutralnullstellung in Bauchlage auf einer Bank.
2. Das Goniometer wird wie oben beschrieben angelegt.
3. Nun wird der distale Gelenkpartner – in diesem Fall der Unterschenkel – in Richtung Gesäß bewegt.
4. Der proximale Gelenkpartner (Oberschenkel) bleibt dabei auf der Unterlage fixiert.
5. Bei der aktiven Messung zieht der Patient seinen Fuß so weit möglich an das Gesäß, ohne das der Therapeut oder der Patient selbst mit seinen Händen nachhilft. Ist das maximale Bewegungsausmaß erreicht, misst der Therapeut den Winkel.
6. Zusätzlich muss auch immer eine passive Winkelmessung stattfinden. Dafür lässt der Patient sein Bein locker und nur der Therapeut flektiert das zu messende Knie. Dadurch kann ohne jegliche muskuläre Gegenspannung das Ausmaß der Beugung in Grad abgelesen werden.

7. Was muss bei den Messungen unbedingt beachtet werden?

Ausweichbewegungen
Egal ob passive oder aktive Messung: Es dürfen in keinem Fall Ausweichbewegungen entstehen. Denn dadurch wird meist eine größere Bewegungsfreiheit erzielt, als sie normalerweise möglich wäre. Für das Beispiel der Kniegelenkbeugung bedeutet dies, dass der Unterschenkel nicht nach links oder rechts kippen sollte. Auch die Hüfte der zu messenden Seite muss die Bank berühren und darf nicht nach oben abheben. Der Unterschenkel sollte gerade über dem Oberschenkel ausgerichtet sein. Nur bis zu dem Punkt, wo die Bewegung sauber ausgeführt werden kann, wird auch gemessen.
Um es mit einem weiteren Beispiel zu erläutern: Der Therapeut möchte die Beweglichkeit der Schulter seines Patienten erfahren. Dieser hebt den Arm über die Seite nach oben. Ist das Schultergelenk eingeschränkt, wird es zu einer seitlichen Ausweichbewegung der Wirbelsäule kommen. Dies ist dem Patienten oftmals gar nicht bewusst, weshalb der Physiotherapeut dies unbedingt im Auge behalten muss.

Der Seitenvergleich
Keine Winkelmessung ist wirklich aussagekräftig, wenn sie nicht im Seitenvergleich durchgeführt wurde. Können beispielsweise beide Knie gleich weit gebeugt werden, zeigt dies in der Regel den Normalzustand des Patienten an und erfordert keine intensive Therapie. Dies gilt auch, wenn das Ergebnis deutlich von den festgelegten Normwerten abweicht.


Genaue Dokumentation
Nach jeder Messung müssen alle wichtigen Informationen, wie die Körperposition des Patienten, die Anlage und selbstverständlich die Messwerte sorgfältig dokumentiert werden. Dies hat folgenden Grund: Der Therapeut kann seine Messung in der nächsten Therapiestunde auf dieselbe Art und Weise durchführen und die Ergebnisse somit miteinander vergleichen.
Wird die darauffolgende Behandlung von einem anderen Therapeuten durchgeführt, weiß dieser sofort in welchem Zustand sich der Patient zuvor befunden hat und wie die Messung abzulaufen hat. Nur so kann eine gleichbleibende Qualität garantiert werden.

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